
Die Berlin-Triologie hatte im Gegensatz des Frühwerkes weniger Einfluss auf mein Bild von Tocotronic, das vorweg.
Man kommt zu einem Abschluss. Man bedient sich für den Titel bei William Faulkner, dessen Roman The Sound And The Fury in seiner Vierteilung im Grunde genommen eine elementare Dreiteilung beinhaltet, da der vierte Teil als Gegensatz der vorangegangenen Teile, welche jeweils Egoperspektiven drei verschiedener Personen sind, aus der Perspektive eines anonymen Erzählers geschildert wird. Man kann das Zitat noch weiter zurückverfolgen, ist es im Original doch bei Shakespeares Macbeth zu finden
“Leben … ist nichts mehr als eine Fabel, erzählt von einem Idioten, voll mit Schall und Wahn, die nichts bedeutet.”
und fügt sich damit nahtlos in das Gesamtkonzept ein, welches die Band im Laufe der letzten drei Alben zur Vollendung gebracht hat: Die Triologie eines Niederganges, der, von eigener Hand vorbereitet, durchgeführt und zum Ende geführt wird.
Wie es sich für ein solches gehört, mischt sich der über Jahre etablierte und ausgebaute Sound mit Streichern und Bläsern, um den eigenen Pathos, der Zielgeraden entsprechend, auf den Höhepunkt zu treiben, denn schließlich muss man sich der eigenen Existenz entledigen.
Dass Dirk von Lowztow in der Zwischenzeit auf Solopfaden auch nicht untätig war, merkt man Schall und Wahn an. So gliedern sich ungewohnte Elemente in die bandeigene Ästhetik, zum beispiel übersteigerter künstlicher Gesang im Refrain von Keine Meisterwerke Mehr oder das Stück Bitte Oszillieren sie, welches mit Piano-Begleitung und englischem Text perfekt in das letzte Phantom/Ghost Album gepasst hätte. Selbst die Gitarre kann sich nicht entziehen und Rick Mcphail gibt sich in mehreren Solos einer ausschweifenden Dramatik hin. Man zelebriert den eigenen Kunstanspruch in imposant angelegten Gesten sehr gekonnt und wahrscheinlich sind die Zeiten gekommen, in denen auch bei Tocotronic auf der Bühne Sekt getrunken werden darf.