#113

November 15th, 2009 § 0

die versäumnisse, die zweifel, die fragen und die suche nach dem weiteren weg geschenkgerecht in stoff einschlagen, am besten in den, den man am leib und im bauch trägt, so dass man am ende seelennackt steht. das frösteln darauf hin noch nicht einmal temperaturbedingt, sondern gespeist aus der eigenen erwartungshaltung, während man so entblösst der reaktionen harrt, die da kommen mögen. bizarr, eine solch entwaffnende ehrlichkeit.

#112

November 14th, 2009 § 5

gewisse prozesse sind schleichend und die grenzen sind fließend. wenn man nicht ständig sein eigenes verhalten in bezug auf die eigenen emotionalen tiefen und die der anderen reflektiert, läuft man gefahr den allerersten aller grundsätze zu vergessen, nämlich, dass niemand, bei dem was man tut, emotional zu schaden kommt.

wenn man das allerdings über den haufen wirft und einem die gefühle anderer personen reichlich egal sind und man grundsätzlich egoistisch handelt, – hierbei muss angemerkt werden, dass schon ein gewissen maß an sozialer abgebrühtheit und emphatischem nichtverständnis dazu gehört, um überhaupt so weit zu kommen – schafft man es sogar in situationen, in denen es schon einer verdammten anmaßung entspricht, eine phrase wie “ich liebe dich” zu äußern.

ich frage mich wirklich, was in einer solchen situation überwiegt und dann dazu bewegt: der eingeschränkte rosarote endorphinspiegel, oder die grundsätzlich libidogesteuerte männlichkeit?

Seit 5 Jahren halt ich mein Herz in kochendes Wasser, doch es scheint nichts zu nützen, denn so abgebrüht bin ich noch lange nicht.

#111

November 14th, 2009 § 0

Das sind so kleine Dinge wie einen Menschen zu verabschieden oder zu verlassen und allein mit den Fragen „Soll ich? Kann ich?“ zu bleiben. Ja, man will, hat aber Angst, dass der andere das nicht will oder noch besser: auch Angst hat. Seltsam, wenn man sich gleichzeitig so unglaublich gut fühlt, oder eben schlecht. Kontrolliere deine Gefühle da, wo es möglich ist, denn es ist das Einzige, das du in deinem Leben kontrollieren kannst. Märchen sind Metaphern. Und deswegen ist es ein Märchen zu glauben, dass Kontrolle über die eigenen Gefühle, uns vor irgendwas hindert. Irgendwas. Denn: Du hast es satt, dass du ständig mit Verarbeiten beschäftigt bist. Du weißt auch nicht, ob es falsch ist, was du da jetzt tust oder denkst. Du genießt nur das verdammt geile Gefühl in diesem Augenblick, wenn etwas in deinem Kopf passiert, das du nicht aussprechen kannst. Größe passiert einfach. Erst hinterher fragt man sich, was da so im Genick zwickt.

Denn: So ist das immer

#110

November 14th, 2009 § 0

ich kaufe ingwer, in der hand auch schon einen beutel voll kartoffeln, möhren und dem restlichen zeug für eine verdammt gute suppe. die bedienung im bioladen fängt unverblümt an mit mir zu flirten und als sie mir gute besserung wünscht, lässt meine Antwort “Läuft…” ihren Mund kurz offenstehen.

#109

November 10th, 2009 § 0

- ich weiß, warum mir das alles passiert
- echt? erzähl mal
- na weil ich trueman bin und es gibt da son hormonknopf und wenn irgendwer lust hat, kann er den drücken und gucken was bei mir passiert

#108

November 9th, 2009 § 0

der knoten, der über kurz oder lang platzen musste, hat sich jetzt verabschiedet. so von jetzt auf gleich und man merkt, dass man aus allen momenten die richtigen momente machen kann und dann läuft das eigentlich schon, vor allem im einklang mit kopf und bauch. den richtigen blick zur richtigen zeit gepaart mit dem richtigen lächeln und alles ist cool. glück ist, wenn der beat einsetzt und das gemeinsame wissen über eine solche tatsache (und in dem falle ist es keinesfalls vermessen von tatsache zu sprechen) verschafft einem im umgang mit den menschen entspannung, weil man gefühlsmäßig auf der gleichen ebene ist. und wenn wirklich alles um einen herum zusammenpasst ist das emotionale sicherheitsnetz, welches einen umgibt so eng gestrickt, dass man sich perfekt fallen lassen kann. es ist dieses sich aufgehoben fühlen gepaart mit der zuneigung des gegenübers, welches dann die momente so besonders macht. und weil das mit der kommunikation dann auch nonverbal super funktioniert kann man innerhalb von 10 sekunden die grenzen abklären, die man nicht übertreten haben möchte und es wird so akzeptiert.

And you said “this is the first day of my life
I’m glad I didn’t die before I met you
But now I don’t care I could go anywhere with you
And I’d probably be happy”

#107

November 8th, 2009 § 1

die guten menschen um einen herum, hinter dem dj-pult, auf der tanzfläche, an der bar in dieser unglaublichen zweizimmerwohnung. seit anderthalb stunden clubatmosphäre. neben mir R., der schon wieder die grenze zu einem zustand überschritten hat, in dem er sich keinesfalls mehr unter kontrolle hat. kurz bevor der bass einsetzt grinst er und lallt aus tiefstem herzen “let freedom ring“. das ungefähr drei bis viermal und nimmt mich dann in den arm.

stunden später, nachdem er betrunkerweise jeder frau, die ihm die möglichkeit dazu gab, seine herzlichkeit nahegebracht hat, liegt er in der küche auf dem sofa und schläft. sie und ich sind uns verdammt einig, was für ein süßer junge er doch ist und verlassen dann händchenhalten die wohnung.

#106

November 6th, 2009 § 1

ich verlor meine glitzerschleifensilberspange, passend zu dem rest meines feen-outfits. bemerkte ich natürlich erst, als ich schon auf dem nachhausweg war und die (aufgrund meines alkoholspiegels uneinschätzbare) jura-studentin, nachdem sie nach meinem wohnort fragte, der natürlich keine 5 minuten zur fuss entfernt war, mir offenbarte. dass sie ja noch einen hund zuhause habe, der auf sie warte und sie jetzt unbedingt nach hause müsse.

schlaf.

#105

November 4th, 2009 § 0

Ich kann nicht alle Häuser dieser Stadt bewohnen
Und kein Mensch dreht die Zeit zurück
Doch für diesen kurzen Augenblick
Bin ich festgefahren in die Idee,
dass das Wetter draußen wieder besser wird

.peters – zur lage der nation

Liebe Mutti

November 2nd, 2009 § 1

Liebe Mutti,

Diesen Brief schreibe ich dir aus Greifswald. Ich wollte dir einfach mitteilen, was für Neuerungen es in meinem Leben gibt und welche Gedanken mir im Moment so durch den Kopf gehen. Natürlich weiß ich nicht, ob es für dich wirklich von Interesse ist, also meine Meinung wie es um diese Stadt in Bezug auf meine eigene Befindlichkeit bestellt ist.

Vor ein paar Wochen zum Beispiel habe ich mir die emotionale Schrotflinte an die Brust gehalten und das, was von meinem Herz zu diesem Zeitpunkt noch übrig war tarantinomäßig der Dame entgegengeblasen, die für den großteiligen Verlust desselben verantwortlich zu machen ist. Ich hoffe sie trägt die entstandenen Narben mit der Würde, die einem solchen Kompliment angemessen ist.

Ich weiß, dass du ein solches Verhalten auf keinen Fall geduldet hättest, da es ja eine riesen Schweinerei ist, die doch eine relativ große Reinigungsaktion nach sich zieht, aber anscheinend war es für sie ja von Anfang an egal. Ich für meinen Teil habe während der Zeit in diesem Moloch aus sozialen Unzulänglichkeiten gelernt, dass es nicht viel braucht, um aus solchen Situationen unbeschadet wieder herauszukommen, denn seien wir mal ehrlich: ein halbes Kilo gutes Hack gibts bei jedem Discounter und wie du ja weißt, konnte ich schon als kleines Kind die absurdesten Sachen aus Knete formen, also dürfte so eine anatomische Kleinigkeit wie ein Herz kein Problem für mich darstellen.

Außerdem habe ich gemerkt, dass es einen viel entspannteren Umgang mit den Menschen um einen herum ermöglicht, wenn man sich auf eine solch eigenmächtige Art und Weise dieses Organes entledigt hat. Zum einen ist es natürlich so, dass die Menschen im persönlichen keine Angst mehr haben müssen, denn egal wie groß die emotionalen Konsequenzen im Normalfall wären, bei mir zählt das alles nichts mehr. Außerdem kann man den entstandenen Platz im Brustkorb gewinnbringend nutzen. Du glaubst gar nicht was es für einen Aha-Effekt gibt, wenn man sich unter ein enganliegendes Hemd greift, um eine Hand voll Bonbons für die Bezugsgruppe zu spendieren, oder wie angenehm es sein kann, sein Kaffee wärmespendend in den eigenen Brustkorb zu stellen, bis er exakt Körper und damit auch Trinktemperatur erreicht hat. Natürlich kann man auch eins von diesen blöden blinkenden Rosa Plastik Herzen einbauen, um es der momentan Angebeteten zur Eröffnung der eigenen Wollust in einer theatralischen Darbietung nach der Entnahme direkt in die Hände zu legen, aber ich muss sagen, ich finde die Idee mit dem Kaffee grundsätzlich besser.

Im Übrigen wirst den Unterschied kaum merken, weil ich mir schon seit jahren eine Arschloch-Attitüde angezüchtet habe, die mir beim anderen Geschlecht einen respektablen Ruf eingebracht hat. Dieses Arschlochgehabe ist aber insgesamt Schuld daran, dass ich jetzt wirklich eines bin. Ein Brustlocharschloch.

Aber ehrlich gesagt, glaube ich kaum, dass du dir vorstellen kannst, wie entspannend es ist, sich keine Sorgen darüber machen zu müssen, wer am nächsten Morgen neben einem im Bett liegt, weil man genau weiß, dass man kein Problem damit haben wird, diese Person innerhalb von 5 Minuten vor die Tür zu setzen.

Eine Einschränkung gilt in dem Falle nur für Verwandten und Tiere, aber auch nur aufgrund der moralischen Bedenken, denn in Punkto Moral ist man schließlich nicht auf den Herzmuskel angewiesen.

Alles Liebe,
Dein Sohn Moritz

P.S.
Mich hat übrigens ein Verlag angeschrieben, da ich ein kein Einzelfall bin. Sie haben Interesse daran, den ausführlichen Erfahrungsbericht in Romanform erscheinen zu lassen. Das Buch wird den Titel “Tipp und Tat für jedes herzlose Arschloch” tragen.

Where am I?

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