#52

Juni 12th, 2009 § 0

….im Grunde habe ich nie darüber nachgedacht, alles ist anders, was mich von meinem Glück getrennt hat, war nicht die Welt, es waren nicht die Bomben und die brennenden Häuser, ich war es, mein denken, das Krebsgeschwür des nicht-loslassen-könnens, ist Unwissenheit ein Glück, ich weiß es nicht, aber das denken tut so weh, und wer kann mir verraten, was ich je durch das Denken erreicht habe, an welche herrlichen Orte hat mich das Denken je geführt? ich denke und denke und denke, ich hab mich eine Million mal aus dem Glück hinaus gedacht, aber nicht einmal hinein.

Jonathan Safran Foer

#51

Juni 10th, 2009 § 0

wir treiben uns den stunden entgegen, die uns immer wieder einholen. ein fortlaufen wäre, und dessen sind wir uns wohl bewusst, ein ding der unmöglichkeit. wir halten uns bei den händen und wir halten uns fester und werfen versichernde blicke im takt, um uns selbst mit absoluter gewissheit klarzumachen, dass der halt noch bestand hat. und zum springen über die abgründe, welche den weg säumen, gehen wir schrittweise zurück und je nachdem, welche strecke es braucht, räumen wir den weg frei, um anlauf zu nehmen und fürchten vor dem moment, wo der sprung des anderen zu stark oder zu schwach sein mag.

viel öfter die hand ausstrecken um den halt für andere und uns selbst zu verstärken, denn abgründe sind manchmal bloss schatten, unter deren rändern sich in unserer wahrnehmung die monster verstecken, welche uns in einer fernen vergangenheit das fürchten gelernt haben. nichts als illusionen natürlich, aber zu denen zählt selbst der sichergeglaubte halt.

was uns die hand allerdings auch geben kann ist wärme. und die haben wir meist viel mehr nötig, als wir uns selbst glauben machen wollen.

#50

Juni 9th, 2009 § 0

Well I’ll write it all down for you
Bitter tea, bitter tune, bitter you
Well you sow what you sow what you say
Still you killed her when you came

Elliott Brood – Write It All Down For You

und hiermit sei versprochen, dass ich es irgendwann einmal aufschreibe, so sorgsam und detailgenau wie ich es in dem falle vermag. nicht unbedingt, weil es notwendig wäre, sondern eher dir zuliebe. vielleicht als beweis, dass man nicht immer nur allein im eigenen kopf lebt, sondern es andere möglichkeiten gibt.

#49

Juni 5th, 2009 § 0

während ich mit mit verbrennungen zweiten grades in der notaufnahme sitze, ungeduscht, nach einer langen nacht am lagerfeuer, dessen heiße asche am morgen dann die verbrennungen verursachte, sammelt sich eine familie um den getränkeautomaten. die große tochter, die gezwungen ist direkt neben meinem sitzplatz zu stehen um an die getränke zu kommen, sagt auf einmal:
“oh, das riecht hier aber lecker nach räucherfisch.”

meine antwort darauf:
“das ist kein räucherfisch. das bin ich.”

#48

Juni 4th, 2009 § 0

diese ganze innere unsicherheit, die sich an einem abend in mehreren kleinen gesten entlädt, führt letztendlich dazu, dass man hinter den erwartungshaltungen (hierbei sind sowohl die eigenen, als auch die der anderen gemeint) zurückbleibt.

romantisierend könnte man sagen, man habe den umgang miteinander noch nicht ganz feststecken können und sei gerade noch dabei denselbigen auf irgendeine weise zu fassen, um zu späteren zeiten an einen punkt zu kommen, der sicherheit verspricht.

es soll ja personen geben, die in solchen zwischenmenschlichen findungsphasen ihre erlösung erfahren, weil es ja alles so spannend und neu ist und man diese unruhe in den knochen verspürt, welche einen definitiven geigerzählervergleich nicht zu scheuen braucht. mir persönlich allerdings kommen solche situationen im nachhinein immer viel zu kräftezehrend vor, als dass ich gut gelaunt daraus hervorgehen könnte, denn am ende bleibt das herz leer, mit leinwänden offener fragen.

Where am I?

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