März 29th, 2009 §
wie kaputt müssen menschen sein, die sich morgens um halb 5 (halb 6) lauthals auf dem marktplatz anschreien?
wieviel kaputter müssen menschen sein, die versuchen andere personen genau in einer solchen situation dazu zu ermutigen über den halben marktplatz zu laufen, um genau diese szene zu ihrer eigenen belustigung auf perfide weise zu unterbrechen?
ich spüre gerade bei solchen szenen ein unglaubliches verlangen die, an dem streit beteiligte dame, einfach vorbehaltlos in die arme zu nehmen um ihr mit glaubhafter stimme zu versichern, dass man in einer unbestimmten zukunft über solche momente hinweg ist. und dann weiß ich das alles wieder zu unterdrücken, denn der unterschied zwischen dem jetzt und der unbestimmten zukunft ist, dass man nur die fehler perfektioniert.
die wahrheit ist im endeffekt wohl, dass die perfektion eher darin liegt, dass man inzwischen gelernt hat sich mit seinen eigenen fehlern zu arrangieren und obwohl ich mir sicher bin, dass diese dame in ihrem leben vielleicht nicht mehr lernt mit ihren eigenen fehlern umzugehen, weil sie einfach von ihnen (oder sich selbst) übermannt wird, würde ich sie trotzdem in den arm nehmen. alleine um den schmerz, den ich (als unbeteiligter) bei dieser situation und der möglichen unfähigkeit empfinde, ein wenig zu lindern.
vielleicht ist das egoistisch. vielleicht wäre es auch einfach nur ehrlich, weil ich weiß, dass sie die umarmung genau so gut gebrauchen könnte wie ich.
wenn graue seelen an grauen tagen aus grauen augen dich beglotzen, dann denkst du “scheiss, ich glaube ich muss kotzen”. dann lass es nicht im magen drin, denn davon kriegst du magenkrebs. dann kotz doch ruhig so leise vor dich hin und es geht vorbei und du stehst im regen und du siehst die wirklichen menschen. du spürst das leben. denk: “na also. jetzt hab ich mich ausgekotzt. war doch halb so schlimm. jetzt geh ich mir was kaufen. was anständiges. anstatt mich zu besaufen.”
März 25th, 2009 §
und dann der moment an dem die erinnerung zu dem bright eyes zitat kommt.
obwohl das haus inzwischen andere eigentümer hat, steht die zeile immer noch am selben fensterrahmen, an den sie damals von ihr geschrieben wurde. aus dem zimmer mit erhöhtem bett, welches sehr spartanisch eingerichtet und im winter vor fünf jahren meist viel zu kalt war, um sich dort nicht unter der bettdecke aufzuhalten, ist inzwischen eine der gemütlichsten wohnküchen geworden die ich kenne.
März 25th, 2009 §
the worm in my heart is the apple of your eye
März 24th, 2009 §
du und ich auf der treppe und du drehst dir eine zigarette nach der anderen.
das ist jedesmal so, denn immer wenn du nicht mit der sprache rausrücken willst, sitzt du schweigend neben mir, hast den kopf ein wenig an meine schulter gelehnt, ohne dabei die schützende distanz des momentes aufzugeben und drehst zigaretten, die ich dann mit dir zusammen rauche.
irgendwann schaust du mich an und während ich im aufstehen deine hand greife kann ich in deinen augen die bitte lesen, dich heute nacht nicht allein zu lassen.
März 24th, 2009 §
Das Gefühl dich mit leicht angewinkeltem Kopf in der Tür stehen zu sehen war mir in letzter Zeit fremd geworden.
Und auf einmal befinden wir uns wieder in einem dieser Treppenhäuser, in denen wir uns schon so oft im Taumel am Geländer hochzogen. Meist war ich mit dem Schlüssel und den Schuhen in solchen Momenten schneller, obwohl ich dich dabei immer noch festhalten musste, damit du wenigstens noch ansatzweise im Gleichgewicht bleibst.
Das Procedere war unserer eigener kleiner Gottesdienst des Exzesses. Wir schleppten unsere schweren Leiber über die Schwelle und während ich noch den restlichen Rotwein, welchen wir ein paar Stunden vorher zurückgelassen hatten um in die Tiefen der Stadt einzutauchen, auf die großen Gläser aufteilte, hattest du schon die Brötchen in den Ofen geschoben.
An manchen Morgenden saßen wir solange an unserer Rekapitulation der Nacht, dass die Sonne uns schon wieder an der Nase kitzelte und wir die müden Augen kaum noch offenhalten konnten.
“Willst du nicht doch mit reinkommen? Ich hab noch Rotwein da…”
März 22nd, 2009 §
und während du, wie die letzten 5 minuten lang, immer noch in dein rotwein glas starrst, fließen dir die worte fast schon von selbst aus dem mund. ab und an schaust du mich im unterbrechenden redefluss mit großen augen an, also würdest du eine andere reaktion als das bloße zuhören erwarten. und mir schießen bloss eine menge zitate in den kopf, die ich wie ein potpourri vor dir auslegen könnte. insgeheim keimt allerdings die gewissheit, dass eine antwort auf eben jene aus deinem mund nur etwas mit inneneinrichtung und der kombination der farben von lidstrich und nagellack zu tun hat, welche du extra aufgelegt hast, um mit mir ein glas nach dem anderen zu leeren.
My thoughts were so loud I couldn’t hear my mouth.
März 22nd, 2009 §
everything is imagined.
sometimes the reflection is far more present than the thing being reflected.
März 21st, 2009 §
gar nicht so schlecht:
- tee statt kaffe auf dem dach plus reincarnation
- fleischplatte bestellen
- brecht in einer wunderbaren schülerinszenierung
- 1 1/2 stunden jamsession von bekannten auf offener bühne
- arm in arm auf dem tanzflursofa einschlafen
- aufwachen, wenn alle leute schon weg sind
- von lars gesagt bekommen: “moritz du riechst gut, aber dein rücken ist voller bier”
- auf dem nachhauseweg bis ins bett “ara batur” hören
p.s. ab jetzt sind die tage wieder länger als die nächte
März 19th, 2009 §
das licht des morgengrauens brach wie kristallglas zwischen unserer fordernden haut. und während ich im aufprall noch versuchte den geschmack von vodka mate, der sich in dem moment über meine geschmacksknospen ergoss, fassbar zu machen, hattest du dich schon in meiner unterlippe festgebissen.
in unserer erschöpfung sangen uns die vögel ein lied von den ersten richtigen frühlingstagen, und während es sich dein herzklopfen schon unter meiner hand bequem gemacht hatte, dachte ich noch darüber nach, wie schnell sich der eindruck eines gesichtes innerhalb von mehreren stunden ändern kann.
ich könnte die strohblonden haare jetzt einzeln aufsammeln, aber ich glaube ich lasse sie, genau wie deinen geruch, noch eine weile auf den kissen liegen.
März 15th, 2009 §
Neue Erkenntnisse sind meist auch nur alte Bekannte mit falschem Schnurrbart und Agentenverkleidung aus der Mickymaus.
Aber ich freu mich immer wieder, wenn sie vorbei kommen und ein Bier mit mir trinken, oder auch zwei. Denn sie erzählen mir von Orten an denen man nicht mehr den ganzen Tag auf mausgrauen Sofas herumliegt und sich selbst zitiert, sondern ein paar neue Bekannte trifft, mit falscher Brille und Trenchcoat, die einem irgendwie bekannt vorkommen.
Bis das Licht angeht.