26. Januar 2012 0

Die Kapillaren einer Institution

Wie in der Nacht Lehrpersonal der Universität im Tanzsaal mit geschlossenen Augen den Körper im Takt zum FDP-Rap1 schwingt, um eine halbe Stunde später völlig betrunken im Raucheraum einzuschlafen und mit den Worten “Aufwachen! Nach Hause Gehen!” in die kalte Nacht hinaus geschickt zu werden.

Am nächsten Tag finden sich dann Teile eines anderen Lehrstuhles, ihrem Institut entsprechend, im Literatur-Cafe ein. Sitzplatzgerecht wird allerdings darauf geachtet, gemäß der Kampfstruktur, eine Ecke Platz zwischen den Fronten zu lassen, so dass man gar nicht erst in die Not gerät die Blicke kreuzen zu müssen.


26. Januar 2012 0

Syllogismus Cornutus

Und trotzdem gelingt es ihm nur ansatzweise das Zitat, das ihm seit fünf Minuten im Kopf herumschwirrt, zu verdrängen.

cause last night you weren’t making that much sense…1

Die Frage, der er Platz zu machen gedenkt, und die Entscheidung, die in ihrer Antwort verborgen liegt, kann und will er nicht provozieren. Dabei ist es das Einzige, was ihm dabei helfen würde dieses verdammte Liedzitat komplett loszuwerden.

Und jedes Mal, wenn er sich sekundenlang in ihrem Silberblick verliert, den sie seit einer halben Stunde und dem letzten Schnaps in ihrem verdammt hübschen Gesicht mit sich herumträgt, fühlt er sich erneut vor die Wahl gestellt.


24. Januar 2012 0

Wieder mal ein dreiviertel Abend

Ein Aufkleber auf einer Kommode, die in dieser Kneipe steht. Tiny White Radio. Möglicherweise eine Gitarrenrockband, die sich selbst das Label Indie verpassen würde.

Wie recht ich damit hatte.

Der Schatten des Stiftes wirft einen komischen Schatten auf meiner Hand. Es entsteht der Eindruck als hätte ich ein riesiges Hämatom in der Beuge meines Daumens.

Ich lausche den Gesprächsfetzen auf dem Sofa neben mir:
“Entweder wir küssen uns jetzt ein zweites Mal, oder wir küssen uns gar nicht mehr.”

Die Seifenoper setzte sich von dem Moment an fort.

Dreiviertel der Menschen in diesem Raum kenne ich. Dreiviertel der Menschen werden immer betrunkener. Zum Kiffen geht man auf den Innenhof. Neben Drogen und Alkohol werden Sonnenblumenkerne verzehrt, gesalzen und geröstet. Es entspinnt sich eine Diskussion, ob man sie jetzt mit oder ohne Schale ist, was mal wieder dazu führt, dass einer einen Satz formuliert, der mit “Heutzutage…” beginnt.

Es endet alles auf der Straße. Der Gruppenvollste muss begleitet werden, damit er nicht amrudernderweise gegen Häuserwände läuft, während sein diabolisches Lachen von den Plattenbauten zurückgeworfen wird.