Echt mal…

Es wird größer und größer und dann platzt die Blase. Ullstein distanziert sich und Helene hat sich mit der ganzen Aktion so derbe ins eigene Bein geschossen, dass die Frage aufkommt, ob sie je wieder richtig laufen lernen darf.

Denn mit siebzehn Jahren und das war genau das, was mich von Anfang an störte, da fehlt einem einfach der gewisse Weitblick, um ein Buch zu schreiben, dessen Inhalt andere Menschen ein ganzes Leben nicht mehr verstehen werden. Das hat noch nicht einmal was mit dem Remix/Plagiatsvorwurf an und für sich zu tun, sondern mit dem, was das Feuilleton da hochgebauscht hat. Wenn die Zeit meint, weniger die Stimme irgendeiner Generation als vielmehr das Grundgeräusch unserer Gegenwart herauszuhören, dann liegt es wahrscheinlich nicht unbedingt an daran, dass da eine verzogene Siebzehnjährige gut schreiben kann, sondern daran, dass sie den richtigen Riecher in Bezug auf Kombinatorik der Elemente hatte.

Verstehen kann es jeder, der das Gefühl teilen kann (und ich weiß wovon ich rede, ohne das Buch ansatzweise gelesen zu haben), aber das, was es ausmacht, wirklich in Worte fassen, nein, dafür ist ein Mädchen, welches von ihrem Vater ein behütetes Leben in Berlin ermöglicht bekommen hat, nicht wirklich die richtige Person. Das kann man in dem Alter noch nicht gelernt haben. In dem Alter hat man ja meistens noch nicht einmal gelernt wie das mit dem Ficken richtig funktioniert. Das macht man zwar, aber das tiefere Verständnis für das, was da noch kommen könnte, das geht einem ab. Das Einzige, was sie in Berlin gelernt haben mag, ist, wie man einen Kaffee bestellt, um den dann mit einer Generation zu trinken, die wahrscheinlich völlig fasziniert davon war, was so ein kleiner Mund alles zum Besten geben kann, wenn er die Quellen verheimlicht und die ihr dann den Floh mit dem Buch ins Ohr setzen.

Wahrscheinlich aber geht das ganze Spielchen schon länger:

r: [...] helene hegemann
v: ja ich habe die ganzen artikel gelesen, die man jetzt lesen kann, über die ganzen kritiken, die sie so in den himmel loben
r: mh, also ich kenn’ sie ja schon länger
v: was echt du kennst sie, ist sie denn so ein abgewracktes drogenkind wie die protagonistin in ihrem buch
r: das weiß ich nicht …
v: ja woher kennst du sie dann
r: (nach kurzem lachen) ja was heißt kennen, die war da ja erst vierzehn, das war so ne lesung an der schaubühne, also die haben da auch was von meinen texten gelesen, also was heißt lesung das waren so jungschauspieler und die haben eben dann von mehreren leuten texte gelesen
v: achso und da war die dann auch
r: ja, und also, das war nur so, weil die war ja da auch erst vierzehn, und ich hab dann ein paar von ihren texten gelesen und das war dann eben so nach dem motto: also dafür dass sie erst vierzehn ist…
v: gelesen hab ich das buch aber nicht, aber habe auf youtube so werbevideos dafür gesehen, in denen kinder irgendwie so diese drogenbohemienstyleleute spielen und , also wenn das was sie aber sagen, wenn das zitate aus dem buch sind, dann will ich das auch gar nicht lesen, weil die so richtig [geräusch und untermalende geste] sind
r: mh [...] ja … eigentlich hab ich gar keinen bock darauf, wieder nach berlin zu gehn, weil das hab ich vor allem bei dem ganzen gerede um das buch gemerkt, dass das diese ganze berlinscheiße ist, auf die ich gar keinen bock mehr hab.

Das Sahnehäubchen am Ende ist eigentlich die Farce der Selbstdarstellung, die nach dem Vorwurf erst so richtig den Höhepunkt erreicht hat, nämlich im Sinne von “Ich bin halt so. Ich bin halt nen Wunderkind. Tut mir leid, dass ich hier und da nicht gesagt habe, woher ich mich bediene, aber dass kann man auch in meinem Alter noch nicht erwarten. Ich bin doch noch 17 (aber ich find mich trotzdem schon unheimlich geil)”, um dann letztendlich mit einem Begriff wie Authentizität, denn das ist wahrscheinlich genau der Zucker der ihr von der 90er Generation in den Arsch geblasen wurde, alles vom Tisch fegen zu wollen.

Ehrlich und echt klingt sie eigentlich nur in dem Teilsatz “und ich, (…) total gedankenlos und egoistisch war”.

Ich für meinen Teil hoffe jedenfalls, dass sie keinen Vertrag mehr angeboten bekommt, jedenfalls nicht, bis sie diese postpubertären Profilierungphase hinter sich gelassen, eigene Erfahrungen gemacht und einen eigenen Stil entwickelt hat. Dann würde ich vielleicht auch mit ihr Kaffee trinken gehen.

Im übrigen sind Teile dieses Textes ein Remix von verschiedenen Gesprächen, die sich alle wunderbar herrlich über das Thema aufgeregt haben, unter anderem Orincostereo und andere.

Leseliste
FAZ - Originalität gibt es nicht - Nur Echtheit
GlamourDick: KLEINE VOTZE mit EXTRA GROSSEM V
Süddeutsche: Wenn der Jugendschutz nicht gilt, kommt der Feuilletonfriseur.

Twenage Angst

Ich knalle mich selbst mit musikalischen Versprechungen zu, um der Hoffnung mehr Platz einzuräumen. Twenage Angst mit dem Hang zur Kompensation + die Sicherheit, dass ich mich ganz sicher nicht von mir und dem was dieses Gefühlsleben definiert, lossagen will und kann. Mir bleibt keine andere Möglichkeit, als die Emotionen, die auch mich einprasseln, wie einen Schwamm aufzusaugen. Mit der Zeit lernte ich die Filterfunktion zu kontrollieren. Ein Wachsen durch die eigene Befindlichkeit. Ein regelmäßiges menschliches Spiegellabyrinth, welches zwangsweise zur Selbstreflexion und der daraus folgenden Weiterentwicklung führt. Das Ganze paart sich mit dem emotionalem Geigerzähler in meinem Bauch, welcher mir nicht nur Vorteile verschafft, aber in allem was ich bisher tat, bin ich nicht bereit im Gegenzug für die Nachteile die Tiefe der Zwischenmenschlichkeit aufzugeben. Dann lieber die Angriffsfläche mit einer Offenheit nach außen tragen, die einem gleichzeitig als Verteidigung dient. Das, was dann andere zum Schutz tragen, erscheint hier im Zwischenlicht manchmal eher wie ein Chitinpanzer aus Ego, den man mit dem Fingernagel knacken könnte, wenn man wollte.

In dem Falle hat es nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern einfach mit dem Wissen um vorhandene Möglichkeiten und dass man könnte, wenn man wollte. Es gibt diese grundsätzliche Entscheidung sich in den meisten Fällen doch lieber fürs tiefe Durchatmen zu entscheiden, obwohl das Gegenüber schon längst den emotionalen Fehdehandschuh ausgepackt und mir mit solcher Kraft über die Wange gezogen hat, dass meist wochenlang noch rote Striemen zu erkennen sein werden. Man sollte Menschen ihre eigene Unfähigkeit nicht zum Nachteil anrechnen, denn meist haben sie keine andere Wahl. Wichtiger ist eben die Frage, warum es so ist, wie es ist und wie man (zum Beispiel durch weiteres Durchatmen) etwas an der Beziehung zum Gegenüber verbessern könnte, damit am Ende, abgesehen von der Situation, beiden geholfen ist. Denn alles andere wäre Ego-Virus und führt dazu, dass andere sich nicht mehr trauen, ehrlich auf den anderen zuzugehen und zu fragen „Wollen wir?“

Eine Auseinandersetzung mit dem Gegenüber ist nur dann auf einer angenehmen Basis, wenn dieser grundsätzliche Drang vorhanden ist, den anderen verstehen zu wollen. Alles andere ist harter Battlerap, kommt meistens höhenmäßig nicht über den Sofarand hinaus und am Ende bleibt man wieder alleine, leckt sich die eigenen Wunden oder das Ego und kann einen weiteren Namen auf der Liste mit dem Arschloch-Haken versehen. Denn: so ist das meistens, und es ist jedes Mal wieder schade drum.

Maeckes - Versteh sie einfach nicht

Frank Spilker - Ein Quantum Glück

have mercy, my lord…

Dein Schlafzimmerblick, die Menschenverachtung, die Bücher, die du liest…

Im Zweifel für den Zweifel, das nächste Bier, oder auch einfach mal in den Schnee fallen lassen. Öfters gemacht die letzten Tage, nur manchmal weiß man so gar nicht, wie einem überhaupt das Gleichgewicht verloren gehen konnte. Leichte Verwunderung über leichte Stürze, Abstürze und Tränen. Man braucht die Schulter manchmal nötiger als man sich vormachen will. Gut, wenn dann eine da ist, because nothing is about me and you honey… it’s all about the angst and the money… Man leitet sich selbst gegen unendlich und spielt mit den Erwartungshaltungen des Gegenübers und das eben ständig und grundsätzlich. Selbstschutz schlägt Wunschdenken und die Konfrontation die man am stärksten meidet, ist die Konfrontation mit sich selbst. Strike up the band / Here comes the storyline / of the usual struggle / between fear and love / This is the lifelong song / we’re all singing. Die Thematiken ändern sich ja doch nur marginal. Herzscheisse als grundsätzlicher Antrieb und dabei sagen können: Ja, Ich merk noch was. Da regt sich noch was, auch wenn dein Gesicht langsam vor meinen Augen verschwimmt. Die Verbindung letztendlich darin finden, dass man dazu tendiert sich selbst die größte Krise zu sein. Darauf noch einen Schnaps, denn das ist ja wohl das einzig Klare. Winning a battle, loosing a war. Wenn man kein Brot hat, sollte man Torte essen.

Dekadent geht die Welt zu Grunde… Im Grunde nicht schlimm.

Wenn es passiert…

Winter walk 6
Little Boxes - Wenn es passiert (Wir Sind Helden Cover)

Some People

some people never go crazy.
me, sometimes I’ll lie down behind the couch
for 3 or 4 days.
they’ll find me there.
it’s Cherub, they’ll say, and
they pour wine down my throat
rub my chest
sprinkle me with oils.
then, I’ll rise with a roar,
rant, rage -
curse them and the universe
as I send them scattering over the
lawn.
I’ll feel much better,
sit down to toast and eggs,
hum a little tune,
suddenly become as lovable as a
pink
overfed whale.
some people never go crazy.
what truly horrible lives
they must lead.

charles bukowski

Snow Explosions In The Sky

Ich kann mich daran erinnern, als das All Of The Sudden I Miss Everyone in einer dieser billigen Promohüllen aus Pappe bei ihr auf dem Fensterbrett lag und zum lauten Soundtrack der leisen Momente wurde. Ich weiß auch noch um meine Freude, als der Auftritt auf dem Immergut bekanntgegeben wurde und ich, in der Erwartung zum Sonnenuntergang vor der Hauptbühne im Gras zu sitzen, wie ein Flummi auf und nieder sprang. Das Lächeln war so groß, wie unsere Enttäuschung, als die Tour abgesagt wurde. Es hat Tage gedauert, bis wir darüber hinweg waren.

Jetzt begleitet dieses Album den Sturm vor meinem Fenster und es ist wunderschön, wenn, gleichzeitig zu den einsetzenden Gitarren, im ganzen Hof mit einem Male das gesamte Gestöber in den Himmel gehoben wird, um zu tanzen.

Die alte Frau unter mir dürfte mich für meine Großraum-Boxen (ausgelegt auf 20-50qm, mein Zimmer: 20qm), die älter sind als ich selbst, inzwischen hassen.

Explosions In The Sky - The Birth And Death Of The Day

In den letzten Tagen…

…steht hier immer weniger, was daran liegt, dass ich immer mehr Zeit mit Musik produzieren verbinde. Ein erstes Ergebnis, an dem in dem Falle noch sehr gefeilt werden muss, gibt es in Assoziation mit Arthur Rimbaud, da der Name des Tracks genau von dort stammt.

Durch die blauen Abenden des Sommers werde ich gehen, in den von Korn stechenden Wegen und das zarte Gras zertreten. Ich träume. Ich werde da die Kühle an meinen Füßen fühlen. Ich werde meinen nackten Kopf im Winde baden lassen. Ich werde nicht sprechen. Ich werde nichts denken, aber die Unendlichkeit der Liebe wird meine Seele umfangen. Ich werde fern sein, weit weg, wie ein Zigeuner in der Natur und glücklich, wie mit einer Frau.

Sehr fern by Moritz Koerner

Kopfkino

Manchmal wünschte ich mir wirklich, das, was um mich herum passiert, auf Film bannen zu können. Regiemäßig im eigenen Kopfkino wirksam sein, mit allem was dazu gehört. Man könnte das zwar auch aufschreiben, aber es würde die visuelle Ebene fehlen. Einen guten Ansatz bietet da “The Rules of Attraction” mit den drei Personen-Fragmenten, die ein Ganzes ergeben. Momentaufnahme an Momenaufnahme und genau wissen, wie man den Fokus setzen müsste. Das Ganze würde sich selbst zwar nie aus der Befindlichkeitsfixierung befreien können, aber solange diese sich im Kontext als selbsterklärend erweist, wäre das eins der kleinsten Probleme.

Amerikanischer Neo-Hippie-Eskapismus…

…der feinsten Sorte!

parentheticalgirls

Parenthetical Girls - Evelyn McHale